Wenn du bei Meditation an Gurus, Einhörner und Räucherstäbchen denkst, liegst du knapp daneben. Meditation ist nichts verrücktes oder übersinnliches, sondern schlicht und einfach eine Möglichkeit mit gezielten Übungen beispielsweise Stress im Alltag entgegenzuwirken. Wie Meditation und Achtsamkeit dir im Alltag helfen können und  was es sonst noch über Meditation zu wissen gibt, erfährst du in diesem Interview mit MBSR Lehrer Kai Meinig.

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Wer mir auf Instagram folgt hat es vielleicht mitbekommen, dass ich vor einiger Zeit einen Meditationskurs besucht habe. Seit 6 Jahren habe ich nun regelmäßige Yogapraxis. Das hat einiges in meinem Leben verändert. Meditation ist zwar ein immer ein Bestandteil dieser Praxis aber dennoch nur ein eher kleinerer Teil. Um so mehr habe ich mich gefreut, als AchtsamKai mich fragte, ob Lust habe den Kurs Einfach: Meditieren bei ihm zu besuchen.

Der Kurs selbst geht über vier Wochen und bedarf einer regelmäßigen Praxis zu hause. Ich gebe zu, gerade die regelmäßigen Achtsamkeitsübungen zu hause sind mir in der ersten Woche noch sehr schwer gefallen. Denn ich hatte einfach keine Zeit. Das ich diese Zeit nie haben werde, wenn ich sie mir nicht einfach nehme, war mir zwar klar, dennoch war es eine große Hürde für mich diese so wichtigen Auszeiten in meinen Alltag einzubauen. Inzwischen ist sind sie aber fester Bestandteil in meinem Alltag geworden. Kurze, regelmäßige Momente , in denen man einfach inne hält und alles um sich herum kurz ausbremst. Einfach den Fokus wieder auf die wichtigen Dinge lenkt.

Für mich fühlt sich ein Tag mit Yoga und Meditation anders, viel lebendiger und friedvoller an. Natürlich kann es auch an solchen Tagen Stress und Anstrengungen geben, allerdings nehme ich sie weniger existenziell wahr. Sie sind da aber ich fühle mich nicht so involviert und kann die Dinge viel objektiver betrachten.

Aber wie erreichst du einen solchen Zustand und warum solltest du dafür einfach mal nichts tun? Ich habe Kai einige Fragen zu Meditation und Achtsamkeit gestellt.

Wie oder wodurch bist du zu Meditation und Achtsamkeitsübungen gekommen?

Auch wenn ich schon länger spürte, dass ich im Leben nur selten wirklich präsent war – gedanklich immer einen Schritt voraus – brauchte es Leidensdruck, um mich dem Thema Selbstfürsorge zu nähern. Von viel Angst vor Gurus, Einhörnern und Räucherstäbchen behindert, war ich sofort gefesselt, als ich durch Zufall auf einen Vortrag von Jon Kabat-Zinn klickte. Das Thema Achtsamkeit und Meditation, in Form von MBSR – losgelöst von sakralem Kontext, waren für mich eine Offenbarung. Mir wurde schlagartig klar, dass es durch Achtsamkeit eine Möglichkeit gab, im Leben präsent zu sein, und zusätzlich noch von unzähligen Gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. Ohne dafür etwas tun zu müssen! Direkt im Anschluss lass ich das Buch Full Catastrophy Living* und startet meinen eigenen MBSR-Kurs, den ich nach acht Wochen im Selbststudium – meiner Sichtweise nach – erfolgreich beendete. Natürlich hatte ich Meditation gehörig missverstanden, versucht mich von allem unangenehmen Empfindungen zu befreien, meinen Leidensweg zu optimieren und am Ende immer währendes Licht, in Form von Erleuchtung zu finden. Zum Glück fand das Leben Möglichkeiten und Wege, mir immer wieder nachdrücklich und schmerzhaft klar zu machen, dass es um Annahme dessen geht, was gerade ist – ganz gleich wie dunkel und schwer – und so musste ich nach langem Strampeln lernen, dass ich wenig tun aber viel sein konnte. Mit diesem Verständnis schaffte ich es letztendlich auch, meinen Schatten wohlwollend zu begegnen, ohne mich in die hell erleuchtete Zukunft oder nostalgische vernebelte Vergangenheit zu flüchten. Ich war jetzt hier, mit allem Schmerz und dem Versuch es nicht zu bewerten oder zu verändern. Inzwischen habe ich über viel Umwege immer wieder zur Achtsamkeit-Mediation gefunden und eine Ausbildung zum MBSR-Lehrer absolviert. Ich sitze immer noch täglich auf meinem Kissen und habe mich inzwischen mit Einhörnern und Gurus versöhnt und zu einem für mich stimmigen Glauben basierend auf selbst gemachten Erfahrungen gefunden.

Foto: Natalia Chávez Hoffmeister

Was hat Meditation mit Achtsamkeit zu tun?

Ganz einfach gesagt: Meditation kultiviert Achtsamkeit, denn mit der Achtsamkeit verhält es sich wie mit Musik. Man kann sie gut finden, alles darüber wissen und trotzdem ist man noch nicht in der Lage, selbst zu musizieren. Echte Achtsamkeit lässt sich nur durch regelmäßige Praxis etablieren, da man sich, im Rausch des Alltags, immer wieder in Plänen, Erinnerungen, Sorgen oder Erwartungen verliert und meist nicht einmal bemerkt, dass man nicht achtsam ist. Außerdem sind wir als Menschen und Gesellschaft nicht gewöhnt, innezuhalten und nichts zu tun – ein großer Bestandteil von Achtsamkeit. Treffen wir auf Situationen die unangenehme Empfindungen oder Gefühle auslösen, sind wir meisterlich darin, uns abzulenken oder die äußeren Umstände so zu verändern, dass wir uns möglichst schnell wieder gut fühlen. Das funktioniert meist nur zum Teil oder einen bestimmten Zeitraum, fordert viel Energie und wir verletzen häufig andere Menschen, weil wir aus Angst heraus handeln.

In der Meditation lernen wir inne zu halten. Man übt sich kontinuierlich darin, den Moment bewusst d.h. sinnlich wahr zu nehmen, ohne ihn zu verändern oder zu bewerten – eine der Definitionen für Achtsamkeit. Dadurch lernt man mit der Zeit, dass man unangenehme Dinge auch geschehen lassen kann, ohne handeln zu müssen. Das beginnt mit einem Jucken an der Nase an, geht über eingeschlafenen Beine bis hin zu unangenehmen Gefühlen, wie Trauer, Wut oder Angst.

Auch lernt man, den eigenen Geist zu beobachten und seine Unbändigkeit zu verstehen und anzunehmen, Gedanken und Muster zu erkennen ohne sich darin zu verfangen oder mitreißen zu lassen.

Was geschieht während der Meditation im Körper?

Am Anfang wird man sich erst einmal bewusst, dass man einen Körper hat. Dann beginnt es zu jucken, zu stechen, zu ziehen und zu kribbeln. Gedanken kommen ins Spiel, die das Alles als unmöglich, unangenehm und unpassend einstufen. »Meditation ist nichts für mich.« Dabei ist es ganz normal, dass es zu Beginn schwierig ist, mit sich selbst in Stille zu verharren und geduldig darauf zu vertrauen, dass so etwas seltsames wie Nichts-Tun, einen Einfluss auf unsere Wohlbefinden haben könnte. Inzwischen ist ziemlich gut messbar, was genau im Körper und Gehirn vor sich geht – Meditation hat messbar positiven Einfluss auf unsere Wohlbefinden. Dazu gibt es unzählige klinische Studien, die mit empirischen Fakten aufwarten, Werte präsentieren und damit viel besser beschreiben können, was genau im Körper passiert, als ich es hier versuchen möchte.

Kann Meditationen unsere Emotionen positiv beeinflussen?

Meditation ist natürlich ein sehr gutes Werkzeug um unsere Emotionen zu regulieren. Dabei klingt mir positive Beeinflussung jedoch zu stark nach aktiver Veränderung, nach Optimierung. Vielen Menschen beginnen Meditation in der Hoffnung, einen bestimmte Teil ihrer Selbst – der oft als Schwäche gesehen wird – zu verändern oder los zu werden. Natürlich braucht es eine gewisse Motivation um mit Meditation zu beginnen, trotzdem ist es wichtig, sich darüber im klaren zu sein, dass wir Veränderung nicht ansteuern können. Wir können lediglich die Bedingungen für Veränderung optimieren einen Raum schaffen, in dem sie geschieht. Natürlich stellt sich mit regelmäßiger Praxis eine positive Veränderung ein. Zum Beispiel muss man nicht mehr blind reagieren, wenn eine Person oder Situation verletzt, sondern hat in der formalen Praxis gelernt, Emotionen und Gefühle sein zu lassen. Dadurch entsteht Raum in dem man kreativ handeln kann, anstatt blind zu reagieren. Ich beschreibe solche Effekte gern als Nebenwirkung der Meditation, da es wichtig ist, in der Praxis Ergebnisoffen zu bleiben und sich davon überraschen zu lassen, was sich verändert, wenn Raum entsteht.

Wie kann man kleine Achtsamkeitsmomente in den Alltag einbauen?

Indem man sich daran erinnert achtsam zu sein. Notizen im Raum, ein regelmäßiger Handyalarm oder eine alltägliche Tätigkeit, an die wir ein achtsames Verhalten koppeln, wirken Wunder. Erinnerst man sich achtsam zu sein, geht es nur noch darum, für einen Moment innezuhalten und sich bewusst zu machen, was passiert gerade im Außen und im Innen? Was macht die Situation aus – Objekte, Geräusche, Personen, Gerüche – aber auch welche Stimmungen, Gefühle und Gedanken sind anwesend? Es geht nicht darum etwas zu verändern und sich entspannt, leicht und achtsam zu fühlen sondern einfach darum, wahrzunehmen, was gerade ist ohne darüber zu urteilen. Das darf ruhig auch stressig, traurig, dunkel, verregnet und nebelig sein. Koppelt man Achtsamkeit an sein Tun, muss man auch nicht still stehen oder sitzen sondern kann spüren, wie man gestresst von Termin zu Termin hetzt, wie es sich anfühlt, wenn Wasser beim Geschirrspülen über die Hände fließt oder wie wohltuend und beruhigend Eiscreme und Fernsehen wirken. So kann jede Tätigkeit in einem meditativen Zustand (sprich Achtsamkeit) ausgeführt werden, so lange man sich immer wieder an den Vorsatz erinnert und danach handelt. Etabliert man diese Momente in seinen Alltag wird man ziemlich schnell feststellen, wie oft man nicht achtsam sprich anwesend ist. Ein oft schockierender und wichtiger Moment, der eine Bewusstheit zwischen achtsamen und unachtsamen Leben schafft.

Für wen ist Meditation nicht geeignet bzw. welche Erwartungen sollte man nicht haben?

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die mir erzählen, dass Meditation nichts für sie ist. Sie haben es probiert aber es hat sich – auch nach zwei Wochen! – nicht die gewünschte Veränderung eingestellt, die Gedanken springen immer noch wie wilde Affen durch den Kopf und außerdem wäre die tägliche Praxis doch nur ein weiterer Termin auf der To-Do-Liste des Lebens. Wie bereits beschrieben, geht es darum zu beobachten, was sich zeigt. Schaut man jedoch zu starr auf einen bestimmten Punkt, bemerkt man häufig nicht, was sich verändert und übersieht ganz leicht, was die Praxis positiv bewirkt. Auch muss man verstehen, dass man Gedanken nicht los wird, sondern die Freiheit im Erkennen ihrer Flüchtigkeit liegt. Auf diese Art kann man sich mit einiger Übung von ihnen lösen was sehr praktisch ist, wenn der innere Schweinehund damit argumentiert, dass Meditation zu viel Zeit beansprucht und man doch Besseres zu tun hat.
Natürlich braucht es für die Praxis ein gewisses Maß an Motivation, Vertrauen und vor allem Geduld. Eine sehr wertvolle Lektion, die sich mit regelmäßiger Praxis auf jeden Fall einstellt und im Alltag sehr hilfreich zur Seite steht.

Möchtest du mehr über Achtsamkeit und Meditation lernen? Dann besuche einen von Kai’s Kursen! Hast du bereits Erfahrungen mit Mediation oder Yoga? Teil sie gerne mit mir!

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