In diesem Beitrag aus meiner Nähschule möchte ich dir zeigen, was eigentlich ein Schrägband ist, wofür du Schrägband beim Nähen benötigst, wie es am besten verarbeitet wird und wie du dir ganz einfach passend zu deinem Nähprojekt, Schrägband selber herstellen kannst.

Viele verbinden mit dem Wort “Schrägband” dieses steife, ziemlich kratzige Band aus dem Kurzwarenladen, das meistens nur in Omafarben vorrätig ist. Geht es dir auch so? Ich kann dir beruhigt sagen, das ist schon lange nicht mehr der Fall. Ich zeig dir heute, dass Schrägband kein lästiges, sondern vielmehr ein sehr hilfreiches Band ist, wo du es überall einsetzen kannst, wie es am besten verarbeitet wird und wie du dir ganz einfach passend zu deinem Nähprojekt, Schrägband selber machen kannst.

Was ist Schrägband

Den Namen hat das Schrägband nicht umsonst, sondern durch den Winkel, indem es aus Stoff zugeschnitten wurde, nämlich im schrägen bzw. diagonalen Fadenlauf.

→ Warum der Fadenlauf gerade bei Zuschneiden von Stoffen wichtig ist, kannst du hier nachlesen.

Durch den schrägen Zuschnitt erhält der Schrägstreifen die höchstmögliche Elastizität, die benötigt wird, um sich an Rundungen und Kurven anzupassen. Außerdem wird es vor gefalzt, sodass die offenen Schnittkanten beim Verarbeiten nicht zu sehen sind. Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass das Schrägband keine Nahtzugaben benötigt. Es wird um deine Schnittkanten herum genäht, sodass es die Maße deines Nähprojektes nicht verändert. So kannst du dich auch noch kurzer Hand entschließen ein Schrägband an Halsausschnitte, Säume, Armlöcher, Ecken und Kanten anzunähen.

→ Wie das Einfassen von Hals-, Arm- oder Beinausschnitten funktioniert und welche Methoden es dafür gibt erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Da es Schrägbänder mittlerweile in allen Farben und Materialien gibt, ist deiner Kreativität keine Grenze gesetzt. Falls du doch nicht das passende Band findest, kannst du es auch einfach selber herstellen. Aber dazu später mehr.

Wie wird Schrägband angenäht?

Bei Schrägband ist eine saubere Verarbeitung sehr wichtig, ansonsten erhältst du nämlich keine saubere oder stabile Kante.

Das Schrägband faltest du auf einer Seite auf. Nun wird diese offene Kante so an die einzufassende Kante gesteckt, dass die rechte Seite des Schrägbands auf der linken Seite des Nähstücks liegt. Wichtig ist, dass das Schrägband bei Innenrundungen leicht gedehnt, bei Außenrundungen leicht eingehalten wird. Nun kannst du das Schrägband annähen. Idealerweise ein 1mm neben dem gebügelten Falz auf der Seite der Schnittkanten.

Als nächstes faltest du dann das Schrägband um die Kante, die Mitte des Schrägbands liegt auf der Kante des Nähstücks. Dann noch alles gut festklammern und von rechts absteppen. Beim Absteppen sollte der Streifen die vorherige Naht nur knapp verdecken. Ein Schmalkantfuß oder auch der Reißverschlussfuß leisten hier unter Umständen gute Dienste, damit die Naht möglichst nah an der Kante des Schrägbands und schön parallel zu eben dieser verläuft.

→ Hier findest du einen ausführlichen Beitrag über die verschiedenen Nähfüßchen und wofür sie verwendet werden.

Reißverschlussfuß

Wer schon geübt ist in diesen Dingen, kann das alles auch in einem Schritt machen. Dafür legst du den vorgefertigten Streifen um die Schnittkante des Schnittteils und klammerst ihn mit Stoffclips fest. Achte darauf, dass die Stoffclips auf beiden Seiten mit der Kante des Streifens abschließen, so kannst du sicher sein, dass du beim Nähen den Streifen mit fasst. Jetzt kannst du den Streifen mit dem Stich und der Maschine deiner Wahl annähen.

→ Wofür du die verschiedenen Sticharten brauchst, kannst du in diesem Beitrag nachlesen.

Um eine Ecke einzufassen, nähst du das Schrägband wieder bündig auf dem Falz an eine der Stoffkanten. Ehe du an der Ecke angekommen bist, markierst du nun den Punkt, auf dem die Naht enden soll. Deine Naht endet genau 0,9 cm (die Breite der Nahtzugabe des angenähten Schrägbands) vor der Kante. Nähe nun genau bis auf den Punkt und verriegele die Naht gut.

Nun klappst du das Schrägband so um, dass es im 45° Winkel zu der Ecke liegt, die du einfassen möchtest. Dabei zeigt der Rest des Schrägbandes nun über die Kante, an der du gerade genäht hast.

Jetzt legst du das Schrägband in den Bruch, sodass es entlang der Kante liegt, die als nächstes eingefasst wird. Der Bruch liegt dabei genau auf der eben eingefassten Kante. Stecke dir die gelegte Ecke gut fest.

Als nächstes beginnst du deine Naht wieder genau auf dem Punkt, auf dem die vorherige geendet hat. Wenn du alle Ecken genäht hast, kannst du das Schrägband um die Kanten klappen.

Durch die Falttechnik beim Nähen legt sich das Schrägband auf dieser Seite von selbst um die Ecke. Von der anderen Seite legst du zuerst eine Kante um und dann die nächste. Dadurch entsteht auch auf der Rückseite eine schöne Briefecke.

Zum Schluss nähst du das Schrägband knappkantig fest.

→ Wenn du noch nicht so richtig weißt, wie das mit dem Nähen alles so funktioniert, schau dir mal mein Ebook “Nähen für Anfänger – Grundlagen und Techniken” an.

Wenn du etwas rundherum einfasst, gibt es eine ganz einfache Methode, um Anfang und Ende sauber zu verarbeiten. Dazu faltest du die 1,5cm an der kurzen Seite des Schrägbandes nach Innen.

Das gefaltete Schrägband, nähst du wie gewohnt, in dem Falz fest. Wenn du einmal um dein Nähstück herum genäht hast, und wieder am Anfang angekommen bist, nähst du bis 2cm über den Anfang, sodass sich das Schrägband überlappt.

Jetzt kannst du es um die Kante klappen, feststecken und festnähen. Auf diese Weise erhältst du einen schönen Abschluss.

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Wo wird Schrägband eingesetzt?

Das wohl häufigste Einsatzgebiet für Schrägband ist das Einfassen von Kanten an Kleidung.

Wenn du z.B. einen Tellerrock nicht säumst, sondern ringsum mit Schrägband einfasst, hast du als tollen Nebeneffekt, dass das Schrägband den Saum versteift, der Rock dadurch noch schöner fällt und der Saum sich in weitere Falten legt. Auch bei der Krempe eines Sonnenhuts erhält man einen ähnlichen Effekt, wenn man ihn mit Schrägband einfasst.

→ Wie man einen Saum näht und welchen verschiedenen Möglichkeiten zum Säumen von Kleidungsstücken es gibt erkläre ich dir in diesem Beitrag aus meiner Nähschule.

Hals- und Ärmelausschnitte sind auch ein beliebtes Einsatzgebiet, das du mit Schrägband einfassen kannst. Wichtig ist, dass das Schrägband beim Annähen an Innenrundungen (wie beim Halsausschnitt) leicht gedehnt wird, dadurch legt sich der Halsausschnitt später schöner an und es sieht sauberer aus.

Schrägband wird auch gerne verwendet, um die Kanten von voluminösen Stoffen wie Frottee einzufassen. Dadurch sparst du dir einen Saum, der zusätzlich aufträgt. Klassische Anwendungsbeispiele hierfür sind Baby-Badetücher oder Lätzchen aus Frottee. Hierbei kommt eine weitere Eigenschaft des Schrägbands zugute. Durch die saubere Optik lassen sich sowohl runde, als auch rechtwinklige Ecken sehr akkurat einfassen.

Doch auch bei leichten Stoffen kann Schrägband eine schöne Alternative zum Saum oder Beleg sein. Du kannst mit dem schmalen Band wunderbare Effekte erzielen, Akzente setzen oder Details betonen. Du kannst mit dem Schrägband Tascheneingriffe, Säume oder Schlitze einfassen oder auch Gürtelschlaufen oder Bindebänder erstellen.Das heißt, dass du Schrägband nicht nur zum Einfassen verwenden kannst. Schmale Bänder, wie Spaghettiträger oder auch Bindebänder an Babymützen, kannst du ganz einfach aus Schrägband herstellen.

Dazu faltest du das Schrägband einfach der Länge nach, sodass es seine endgültige Breite hat, bügelst das entstandene schmale Band und nähst die offene Seite mit einem einfachen Geradstich zusammen. Diese Bänder kannst du, wie gesagt auch gut als Gürtelschlaufen oder Zierband einsetzen.

→ Die verschiedenen Sticharten und wofür sie verwendet werden erkläre ich dir in diesem Beitrag auch noch einmal ganz genau.

Denk jetzt aber nicht, dass du nur bei Kleidung Schrägband verwenden kannst. Alle Arten von Kanten und Rändern lassen sich mit Schrägband einfassen. Taschenklappen zum Beispiel erhalten einen sauberen Abschluss, einen schön betonten Rand und zusätzliche Stabilität, wenn sie ringsum mit Schrägband eingefasst werden. Auch Innennähte bei nicht gefütterten Taschen können mit Schrägband so versteckt werden, dass du die Nahtzugaben mit Schrägband einfasst. Auch hier sorgt das Schrägband für eine saubere Optik, vermeidet, dass der Stoff ausfranst und gibt zusätzliche Stabilität. Kissen und Servietten lassen sich so auch wunderbar verzieren.

Outdoor Kids
© EMF/Patrick Wittmann – aus meinem Nähbuch “Nähen für Kids – Outdoor”

So kannst du dir dein Schrägband selber herstellen

Du kannst dein Schrägband auch selber herstellen. Auch wenn es zahlreiche Varianten von fertigem Schrägband gibt, kann es vorkommen, dass du genau dann, wenn du es brauchst nicht das passende Schrägband zur Hand hast. Genau aus diesem Grund erkläre ich dir, wie du dir dein eigenes perfekt passendes Schrägband herstellst.

Zuerst schneidest du aus deinem Stoff die Streifen zu. Achte darauf, dass du sie im diagonalen Fadenlauf (45° Winkel) zuschneidest. Der Zuschnitt geht mit einem Rollschneider*  und passendem Lineal viel schneller und viel sauberer als mit der Schere. Aus einem 50 cm breitem Stück Stoff erhältst du etwa 70 cm lange Streifen. Die Streifen müssen doppelt so breit sein wie dein fertiges Schrägband bzw. die Angabe auf eurem Schrägbandformer.

→ Hier in meinem Stofflexikon findest du auch noch einmal alle wichtigen Stoffarten und deren Verwendung.

Für 20 mm breites Schrägband muss der Stoffstreifen z.B. 40 mm breit sein. Nun geht es ans Formen. Das Bügeleisen auf eine hohe Temperatur bringen und mit viel Dampf bügeln. Lass das Schrägband anschließend gut auskühlen. Schrägband ist ja immer so gefalzt, dass die beiden Außenkanten zur Mitte hin gebügelt sind.

Du hast zwei verschiedene Möglichkeiten, das Band in diese Form zu bringen. 1. Mit einem Schrägbandformer* . Hier wird der Streifen in die Vorrichtung eingefädelt und die besondere Form sorgt dafür, dass die Außenkanten des Streifens mittig nach innen geklappt werden. Du ziehst den Streifen durch den Former und bügelst das, was herauskommt, sofort fest. Den Schrägbandformer gibt es in verschiedenen Breiten.

2. Ohne Schrägbandformer musst du den Streifen erst einmal mittig falten, bügeln, dann wieder aufklappen und die Außenkanten zumgebügelten Falz hin einschlagen. Und dann die beiden Außenkanten festbügeln.

Wenn du ein langes Band benötigst, dann kannst du einfach mehrere kurze Streifen aneinander nähen. Hierzu schneidest du die Enden deiner Streifen im 45° Winkel zu und nähst sie rechts auf rechts im 90° Winkel zusammen. Verriegel Nahtanfang und -ende mit ein paar Stichen vor und zurück. Wenn du die Streifen jetzt auseinander klappst, ergibt das einen geraden Streifen.

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Mehr Nähgrundlagen, Tipps und Tricks findest du in meiner Nähschule

Möchtest du noch mehr Tipps und Trick lernen? Dann schau dir auch die weiteren Beiträge aus meiner Nähschule an. Hier zeige ich dir alles was du rund um das Thema Nähen wissen musst. Die passenden Schnittmuster zum ausprobieren findest du in meinem Onlineshop.

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