Du hast ein neues Schnittmuster, weißt aber nicht, wieviel Stoff du zum Nähen brauchst? Kein Problem. In diesem Beitrag aus meiner Rubrik Nähen lernen zeige ich dir ein paar einfache Methoden, mit denen du den Stoffverbrauch ganz leicht selber ermitteln kannst.

Du hast dein nächstes Nähprojekt schon im Kopf und fragst dich gerade wie viel Stoff du dafür eigentlich brauchst? Oft werde ich nach der Berechnung des Stoffverbrauchs gefragt. Dann kommen Fragen auf wie: „Wieviel Stoff brauche ich für das Schnittmuster?“ und „Kann ich den Stoffverbrauch auch selbst ermitteln?“ oder „Ist das nicht nur was für Profis?“.

Berechnung klingt vielleicht erst mal kompliziert, aber lass dich dadurch nicht abschrecken. Ich zeig dir ein paar einfache Methoden, wie du den Stoffverbrauch selber ermitteln kannst.

Was braucht man um den Stoffverbrauch zu ermitteln?

Um den Stoffverbrauch zu ermitteln, spielt der Stoff, den du verwenden möchtest, eine große Rolle. Deswegen solltest du dir am besten als erstes überlegen, welchen Stoff du für dein nächstes Projekt einsetzen möchtest.

Ausschlaggebend ist die Stoffbreite. Es gibt Stoffbreiten zwischen 90 – 160 cm, die gängigsten Breiten sind 140 -150 cm. Umso breiter der Stoff ist, umso weniger Stoff wird verbraucht.
 Dabei brauchst du genau genommen die Nutzbreite des Stoffes, das heißt die Stoffbreite minus die nicht nutzbaren Kanten. Außerdem solltest du das Muster beachten.

Am geringsten ist der Stoffverbrauch bei einfarbigen Stoffen oder einfache Muster wie z.B. Punkte. Hier kannst du die Schnittteile unter Berücksichtigung des Fadenlaufs beliebig auflegen. Bei Stoffen, die eine Musterrichtung haben oder Stoffe mit Strich z.B. Samt ist der Stoffverbrauch etwas höher, da du die Schnittteile nur in einer Richtung auflegen kannst. Am größten ist der Stoffverbrauch bei Stoffen mit Musterrapport. Hier erhöht sich der Stoffverbrauch meistens um einen Rapport.

Viele Stoffe laufen bei der ersten Wäsche ein, deswegen solltest du den Einlaufwert von ca. 4% beim Stoffkauf auch mitberechnen und den Stoff am besten vor dem Zuschnitt immer vorwaschen.

Neben dem Stoff ist auch die Konfektionsgröße ausschlaggebend. Je größer die Größe, umso höher der Verbrauch, aber dazu später mehr. Und immer an die Nahtzugaben denken. Wenn du ein fertiges Schnittmuster hast, ist es wichtig zu wissen, ob die Nahtzugabe schon enthalten ist oder noch dazu kommt.

→ Du suchst noch die passende Nähmaschine für dich? Dann schau dir meine 10 Tipps zum Nähmaschinenkauf an.

Nützliche Hilfsmittel zum Stoffverbrauch ermitteln:

→ Nähbegriffe von A wie Absteppen bis Z wie Zuschnitt einfach erklärt mit leicht verständlichen Anleitungen findest du in meinem Nählexikon.

Mit welchen Methoden kann man den Stoffverbrauch ermitteln?

Bei den meisten Schnittmustern ist der Stoffverbrauch angegeben und auch sogar ein Schnittlageplan für verschiedene Stoffbreiten.
 Das macht die Sache natürlich einfach. Aber was, wenn das nicht der Fall ist oder du noch gar kein Schnittmuster hast?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zum Ermitteln des Stoffverbrauches. In der Industrie wird dafür eine entsprechende Software benutzt und sogenannte Schnittlagenbilder erstellt, um den bestmöglichsten Stoffverbrauch zu ermitteln.

Ich will dir hier die drei häufigsten Methoden zeigen, wie du manuell den Stoffverbrauch ermitteln kannst.

→ Nähen ohne Frust! Meine 6 ultimativen Tipps für Nähanfänger kannst du hier nachlesen.

1. Methode – Schnittmuster vorhanden / Stoff nicht vorhanden

Wenn du dich schon für ein Schnittmuster entschieden hast und es in der entsprechenden Größe fertig ausgeschnitten ist, aber du noch keinen Stoff hast, dann gehst du folgendermaßen vor:
 Du kannst dir die Stoffbreite entweder mit Klebeband markieren oder du legst das Maßband entsprechend der Stoffbreite vor dich.

Jetzt nimmst du die Schnittteile und legst sie an der Kante entlang (Maßband, Klebestreifen) auf. Achte darauf, welche Teile im Bruch zugeschnitten werden und wie oft du jedes Teil benötigst. Wichtig ist auch, dass du weißt, ob die Schnittteile schon eine Nahtzugabe enthalten oder ob diese noch extra dazu kommt. Und du musst unbedingt auf den Fadenlauf achten d.h. wie rum du das Schnittteil auflegst.

Wenn du alle Schnittteile aufgelegt hast, musst du nur noch die Länge abmessen, also die Höhe der Schnittteile, und schon hast du den Stoffverbrauch ermittelt. Passen alle Schnittteile nebeneinander auf die Stoffbreite, musst du nur die Länge des längsten Schnittteils ausmessen.

Wenn die Schnittteile nicht alle nebeneinander passen, musst du die Länge der übereinander liegenden Schnittteile messen. Als Puffer würde ich immer noch 2-3 cm zu der Gesamtlänge dazu geben.

 

 

2. Methode – Schnittmuster vorhanden / Stoff vorhanden

Du hast das Schnittmuster und auch schon den Stoff? Dann legst du die Schnitteile direkt auf den Stoff auf. Achte auch hier darauf, wie oft du jedes Schnittteil benötigst und ebenso auf den Fadenlauf. Wenn du Schnittteile hast, die im Bruch zugeschnitten werden, kannst du den Stoff auch direkt in den Bruch legen.

Probiere einfach ein paar verschiedene Möglichkeiten aus, um zu sehen, bei welchem Zuschnitt du am wenigsten Stoff verbrauchst.

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3. Methode – Schnittmuster nicht vorhanden / Stoff nicht vorhanden

Es gibt auch eine einfache Formel mit der du den groben Stoffverbrauch entsprechend des Kleidungsstücks errechnen kannst.

Hier spielt es keine Rolle, ob du schon das Schnittmuster hast, um es auszumessen oder ob du Körpermaße oder fertige Kleidungsstücke nimmst. Auch hier kommt es natürlich auf die Stoffbreite an und auch auf die Konfektionsgröße. In der folgenden Tabelle gehen wir mal von einer gängigen Stoffbreite zwischen 140 -150 cm auf.

Kleidungsstück

Größe

Stoffmenge

T-Shirt

< 42

1x Länge + Saum + 1x Ärmellänge

> 44

2x Länge + Saum

Bluse

< 42

1x Länge + Saum + Kragen + 1x Ärmellänge

> 44

2x Länge + Saum + Kragen

Pullover / Langarmshirt

< 42

1x Länge + Saum + 1x Ärmellänge

> 44

2x Länge + Saum

Jacke / Mantel

< 42

1x Länge + Saum + Kragen + 1x Ärmellänge

> 44

2x Länge + Saum + Kragen

Hose (grade)

< 42

1x Länge + Bund + Saum

> 44

2x Länge + Bund + Saum

Rock (grade / schmal)

< 42

1x Länge + Bund + Saum

> 44

2x Länge + Bund + Saum

Rock (weit / ausgestellt / Falten)

< 42

2x Länge + Bund + Saum

> 44

3x Länge + Bund + Saum

Kleid (grade / schmal)

< 42

1x Länge + Saum + Kragen + 1x Ärmellänge

> 44

2x Länge + Saum + Kragen

Kleid (ausgestellt / weit)

< 42

2x Länge + Saum + Ärmellänge

> 44

3x Länge + Saum

→ So reinigst und pflegst du deine Nähmaschine: Was es bei der Nähmaschinenreinigung zu beachten gibt, erfährst du in diesem Beitrag.

Gut zu wissen, wenn du den Stoffverbrauch ermitteln muss:

Um den Stoffverbrauch zu ermitteln eignet sich gerade für Anfänger die dritte Methode mit den Formeln. Es ist die schnellste und einfachste Möglichkeit aber auch die Ungenauste. Genauer wird es, wenn du schon das fertige Schnittmuster hast und du die Länge einfach abmessen kannst. Es ist dann auf deine Wunschgröße angepasst und du erfährst, wie viel Stoff du wirklich benötigst. Wichtig ist, dass du alle Teile berücksichtigst in ihrer Häufigkeit und natürlich die Nahtzugabe.

Bei Stoffen mit Musterrapport oder Musterrichtung ist die beste und einfachste Methode die, bei der sowohl Schnittmuster als auch Stoff schon vorhanden sind. So kannst du direkt sehen, dass das Muster am Ende gut positioniert auf dem Kleidungsstück sichtbar ist.

Wenn du ein Schnittmuster mit vielen Schnittteilen hast, solltest du versuchen, erst die großen Schnittteile aufzulegen und dann zum Schluss die kleineren wie Kragen und Taschen. Die dann vielleicht in die Zwischenräume passen. Ich rate dir auf jeden Fall verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren, wie du die Schnittteile auflegst, um den geringsten Stoffverbrauch zu ermitteln.

Es lohnt sich die jeweiligen Schnittbilder als Foto festzuhalten. Wenn du aus einem Stoff mehrere Schnittmuster nähen möchtest oder vielleicht ein Schnittmuster mehrmals brauchst z.B. in verschiedenen Größen, dann kannst du die Schnittteile super mischen und hast einen noch geringeren Stoffverbrauch.

Wenn du ein Kleidungsstück aus verschiedenen Stoffen nähen möchtest, gehst du genau so vor. Du sortierst dir deine Schnittteile nach der Stoffart und ermittelst den Verbrauch pro Stoff. Egal welche Methode du dafür anwendest.

→ Hast du auch schon mal den Lieblingsstoff zerschnitten und völlig versaut? Hier zeige ich dir, worauf du beim Zuschnitt unbedingt achten musst.

Mehr Nähgrundlagen, Tipps und Tricks findest du in meiner Nähschule

Möchtest du noch mehr Tipps und Trick lernen? Dann schau dir auch die weiteren Beiträge aus meiner Nähschule an. Hier zeige ich dir alles was du rund um das Thema Nähen wissen musst. Die passenden Schnittmuster zum ausprobieren findest du in meinem Onlineshop.

Stoffverbrauch ermitteln

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1 Kommentar zu „Nähen lernen: Stoffverbrauch ermitteln – 3 einfache Möglichkeiten“

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