Autarker Wohnwagen: Unser Abenteuer Freicampen im Caravan

Wildcampen mit dem Wohnwagen? Geht das überhaupt? Wir haben es ausprobiert und wollen nicht mehr anders stehen. Wie du deinen Caravan kostengünstig autark bekommst, um auch unterwegs immer Strom zu haben und welche Lösungen wir sonst gefunden haben liest du im Blogpost.

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Wer wie wir im Wohnwagen lebt und die Welt erkunden möchte, will natürlich nicht nur auf Campingplätzen stehen, sondern auch ein wenig me(e)hr sehen. Es gibt einfach so viele tolle Plätze und Stellen, die man einfach unbedingt gesehen haben sollte und dort auch mindestens eine Nacht mal geschlafen haben muss. Leider oder auch zum Glück gibt es aber eben an genau diesen Orten keine Camping- oder Stellplätze. Wer diese tollen Flecken Erde also einmal wirklich erlebt haben möchte, kommt ums Frei- bzw. Wildcampen nicht herum.

Wildcampen in Europa: Wo ist es erlaubt?

Der Inbegriff von Freiheit: Einfach anhalten, wo es einem gerade gefällt, die Aussicht genießen und Abends bei Lagerfeuer gemütlich zusammen sitzen. Es gibt nichts schöneres! Nur leider ist das Freistehen (wildcampen) mittlerweile in den meisten Ländern verboten. Aus gutem Grund: Die meisten Camper nehmen einfach keine Rücksicht auf die Umwelt und lassen ihren Müll, ihr Abwasser oder sogar den Inhalt ihrer Toilettenkassette am Stellplatz zurück.

Was als idyllischer Traum beginnt, endet in Unrat und Umweltverschmutzung und ist somit inzwischen fast überall verboten. Es gibt nur noch wenige Regionen, wie beispielsweise Skandinavien, in denen das Wildcampen unter bestimmten Voraussetzungen überhaupt noch erlaubt ist. In den meisten anderen, insbesondere Italien, Frankreich, Spanien und Portugal, ist das Freistehen stark reglementiert oder ganz verboten. Wenn du hierzu mehr lesen möchtest, schau einfach mal bei unseren Kollegen von Camperstyle vorbei. Dort findest du einen super informativen Beitrag zum Thema Freistehen in Europa.

Unsere ersten Erlebnisse als Wildcamper in Spanien

Auch hier in Spanien ist das Freistehen, erst Recht mit Wohnwagen grundsätzlich verboten. Wir haben es trotzdem ausprobiert und uns zuerst einmal bestehenden Gemeinschaften angeschlossen. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Die Guardia Civil hat uns gewähren lassen. Diese fährt nämlich, teils mehrmals täglich, die bekannten Freisteherplätze ab und schaut nach dem Rechten. Einerseits zum Schutz der Freisteher andererseits natürlich auch um nach Verstößen zu schauen. Auch das Umweltamt haben wir öfter zu sehen bekommen. Werden aber Verstöße festgestellt oder ist die Ansammlungen zu groß, wird rigoros geräumt. Auch das durften wir einmal mit erleben.

Es gibt aber auch hier in Spanien die Möglichkeit legal freizustehen. In sogenannten Campingareas, welche sogar mit Feuerstellen und einer Trinkwasserversorgung ausgestattet sind. Diese befinden sich aber zumeist mehr im Landesinneren und nicht in Strandnähe. Trotzdem gibt es auch hier wirklich tolle und richtig ursprüngliche Plätze an denen man gerade in Gemeinschaft richtig schön freistehen kann. Auch wenn hier zumindest schon mal die Wasserversorgung kein Problem ist, bleibt immer noch das Problem mit der Stromversorgung. Das Autarkpaket in unserem Wohnwagen reicht nämlich, je nach Verbrauch, nur 3 Tage.

Eigene Stromversorgung im Wohnwagen

Eingefleischte Freicamper sind mit Wohnmobil unterwegs. Aus gutem Grund: Wohnmobile verfügen über ein eigenes Bordnetz sowie eingebaute Batterien und können somit problemlos auch längere Zeit ohne externe Versorgung stehen. Mit einem normalen Wohnwagen ist das nicht so einfach möglich, da die meisten Wohnwagen keine eigene Stromversorgung haben, sondern auf einen festen Stromanschluss (230V) von außen angewiesen sind. Aus diesem Grund haben wir uns auch bei der Konfiguration unseres rollenden Zuhauses für das Autarkpaket unseres Wohnwagenherstellers Fendt entschieden.

Das Autarkpaket von Fendt Caravan

Im Autarkpaket enthalten ist eine eigene Batterie, welche über den Feststromanschluss (230V) sowie beim „Autarkpaket Plus“ über das Auto, während der Fahrt, geladen werden kann. Das Problem hierbei: Nicht jedes Auto hat die dafür benötigte Verkabelung zur Kupplung, so dass hier am Auto umgebaut bzw. nachgerüstet werden muss. Auch bei uns ist das der Fall, sodass wir, wenn uns der Strom ausgeht, zwangsweise einen 230V Anschluss aufsuchen müssen, um unsere Batterie wieder zu laden oder einen „Nachbarn“ mit Solarstrom und Konverter um Hilfe bitte mussten.

Auf Dauer war das ziemlich nervig und es musste eine Lösung her. Also haben wir uns nach Alternativen umgesehen. Da wir bereits eine Batterie an Bord haben, brauchten wir ja glücklicher Weise nur die Möglichkeit Strom auch unterwegs zu erzeugen.

Sonne satt im spanischen Hinterland

Welche Möglichkeiten gibt es den Wohnwagen umweltfreundlich mit Strom zu versorgen?

Klar war, dass ein Dieselgenerator ausscheidet. Viel zu laut und alles andere als umweltfreundlich. Neben einer Ethanol-Brennstoffzelle, welche zwar auch Strom liefert, wenn mal keine Sonne scheint – dafür aber Brennstoff benötigt, den man nicht immer und überall bekommt – kam für uns also nur eine Solarzelle in Frage.

Da ein auf dem Dach montiertes Solarmodul aber nur Mittags volle Energie liefert und man dafür größere Montagearbeiten am Wohnwagen vornehmen muss, erschien uns ein tragbarer und somit nach der Sonne ausrichtbarer Solarkoffer als die sinnvollste Möglichkeit. Nur sind Solarkoffer nicht wirklich leicht und brauchen auch viel Platz. Beides Eigenschaften die mit unserem derzeitigen Lebenskonzept nicht gut zusammen passen.

Ich habe mich also ein wenig umgeschaut und bin bei Wattstunde® fündig geworden. Diese haben seit neuestem ein Produkt in ihrem Onlineshop, welche genau unsere Anforderungen erfüllt.

Ultralight Solarkoffer für die Stromversorgung

Der 120W Solarkoffer ULTRA LIGHT WS120SUL MPPT ist, wie der Name schon sagt, mit 5,3kg superleicht und hat extrem kompakte Abmessungen. Um ihn nutzen zu können, mussten wir nur den mitgelieferten Solarladeregler direkt an die Batterien anklemmen und brauchen jetzt nur noch unseren Solarkoffer am Regler anklemmen, wenn wir wieder Strom benötigen. Mit 120 Watt liefert der Solarkoffer jede Menge Strom um unser 12V Bordnetz aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Batterie zu laden. So haben wir jetzt auch unterwegs immer und überall Strom, um unsere Geräte wie Laptops, Handy und Kameras laden zu können und dank des Fendt Autarkpakets natürlich auch Licht und Strom für die Wasserpumpen.

Links: Laderegler Solarmodul Rechts: Laderegler Autarkpaket Plus

Rabattcode für Wattstunde®

Der Solarkoffer hat uns übrigens derartig begeistert, dass ich im Nachgang mit Wattstunde® noch einen Rabatt für meine Leser ausgehandelt habe. Mit dem Rabattcode „Textilsucht“ bekommst du ab sofort 5% Nachlass auf deine Bestellung in deren Onlineshop auf solarkontor.de.

Trinkwasser und Waschen im Wohnwagen

Zugegeben, eine Woche oder länger keine richtige Dusche zu haben und sich in einem Fluss zu waschen oder unter einem Wasserfall zu duschen, war für uns bisher absolut undenkbar. Dass es sich derartig befreiend anfühlt war da durchaus eine echte Erkenntnis. Ganz ehrlich, auch wenn so eine heiße Dusche sich nach 2 Wochen in der „Wildnis“ unglaublich toll anfühlt, ist sie doch nichts im Vergleich mit der Freiheit, wirklich in der Natur zu leben. Wir haben es unendlich genossen. Trotzdem brauchten wir natürlich Trink- und Waschwasser. Denn gerade auch das Abwaschen in freier Natur gestaltet sich durchaus schwierig, wenn dir ständig dein Geschirr im Fluss weg schwimmt.

Wasserversorgung und Entsorgung im Fendt Caravan

Unser Fendt Wohnwagen verfügt über einen 10l Spülwassertank und einen 25l Abwassertank für die Toilette, sowie einen 45l Frischwassertank und 25 l Abwassertank. Das reicht bei sparsamer Nutzung ca. 2 Tage, wobei das normale Abwasser täglich entsorgt werden muss und die Toilette alle zwei Tage.

Abwasserentsorgung beim Freicampen

Die Entsorgung des normalen Brauchwasser gestaltet sich relativ einfach. Da wir nur biologisch abbaubares Spülmittel* und umweltverträgliche Seifen* benutzen, konnte das „Grauwasser“ einfach in nächsten Gully entsorgt werden. Schwieriger ist das schon der Fäkalientank der Toilette. Hier habe wir uns eine zweite Toilettenkassette zugelegt* und benutzen diese im Wechsel. So müssen wir nur noch alle 4 Tage in den nächst gelegenen Ort fahren um diese zu entleeren. Zum Glück ist das auch in Spanien relativ unkompliziert möglich, da die meisten Orte über eine Entsorgungsanlage oder einen Campingplatz verfügen, an denen man seinen Tank leeren kann. In Frankreich findet man sogar auf den meisten Parkplätzen entsprechende Entsorgungsstationen.

Trinkwasserversorgung beim Freicampen

Da das Wasser in den meisten Regionen Spaniens so stark mit Chlor versetzt ist, dass man meint, damit sogar seinen Frischwassertank desinfizieren zu können, haben wir Wasser zum Trinken in großen Kanistern gekauft. Mit den leeren Kanistern haben wir uns einen neuen Brauchwasservorrat im Auto angelegt, indem wir die Kanister wieder an Quellen oder Trinkwasserversorgungsstationen aufgefüllt haben.

So konnten wir unseren Wasservorrat auf 100l erhöhen und so gut 2 Tage am Stück stehen, ohne ver- oder entsorgen zu müssen. Alternativ kann man auch einen größeren Wassertank in den Wohnwagen einbauen* (lassen). Hier kommt man dann aber sehr schnell an die Gewichtsgrenzen des Wohnwagens.

Inzwischen haben wir aber die Wasserflaschen gegen zwei große Wassertanks im Kofferraum* ausgetauscht und können so unseren Frischwassertank im Wohnwagen nachfüllen. Somit sind 4 Tage Freicampen bei 4 Personen ohne Unterbrechung möglich.

Die Vor- und Nachteile beim Freicampen mit Wohnwagen

Der wohl auffälligste Nachteil beim Freicampen mit Wohnwagen ist wohl die Sichtbarkeit. Kann man sich mit einem Wohnmobil oder besser noch einem Kastenwagen relativ unauffällig einfach an den Straßenrand oder ins Grüne stellen, sticht man mit einem Gespann dieser Größe doch ein wenig hervor. Was gleich ein doppeltes Problem ist, da das Freicampen im Wohnmobil vielerorts noch toleriert wird – mit Wohnwagen aber absolut verboten ist.

Der zweite Punkt ist sowohl Vor-, als auch Nachteil: Wenn man doch mal weg will, kann man den Wohnwagen einfach stehen lassen und muss nicht erst alles wieder verräumen. Das schafft viel Freiheit, weil man zum Beispiel nicht mit dem ganzen Gespann oder einem Wohnmobil zum Einkaufen fahren muss. Will man aber als Familie mal einen Ausflug machen, ist es nur bedingt ratsam den Wohnwagen beim Freicampen einfach stehen zu lassen.

Der aber gravierendste Unterschied zwischen Wohnwagen und Wohnmobil, der sich nur schwer ausbügeln lässt, sind die deutlich kleineren Wasser- und Abwassertanks beim Wohnwagen. Hier ist man mit den durchschnittlich 200l für Wasser und 150l beim Abwasser beim Wohnmobil deutlich flexibler. Zwar gibt es die Möglichkeit Unterflurtanks am Wohnwagen zu montieren, aber diese gehen auch wieder zu Lasten des Gewicht und lassen sich weniger flexibel entsorgen.

Wir haben das Freicampen trotz aller Problemchen aber lieb gewonnen und nutzen jede Gelegenheit, um auch in Zukunft und an möglichst vielen Orten frei zu stehen. Denn diese Erfahrung ist einfach einmalig! Wenn du dich einmal so mit der Natur verbunden gefühlt hast, bekommst du auch ein völlig neues Verständnis für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Eine Erfahrung, die jeder einmal gemacht haben sollte.

Wenn du mehr über uns und unser Gespann erfahren möchtest, schau dir doch auch diesen Beitrag über unseren Wohnwagen und diesen über unser Gespann an. Und hier findest du auch noch viele tolle Empfehlungen für deine Camping-Erstausstattung im Wohnwagen. Viel Spaß beim Lesen.

Hast du noch mehr Ideen für einen autarken Wohnwagen?

Vielleicht hast du ja noch eine tolle Ideen oder andere Lösungen gefunden, um mit deinem Wohnwagen auch für länger Freicampen zu können? Teil sie mit uns in den Kommentaren unter diesem Blogbeitrag.

 

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Micha

Micha

Micha hat nicht nur diesen Beitrag hier geschrieben, sondern ist auch der IT Guru hinter dieser Seite. Was auch immer Julia sich gerade wieder in den Kopf gesetzt hat, er muss es ausbaden und umsetzen. Er betreut den Shop, löst jedes technische Problem, kümmert sich um den Kundensupport und schreibt auch gerne mal einen Blogpost wie diesen hier.

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