Im dritten Teil meiner Beitragsserie “Starke Frauen”, welche Mittwochs auf meinem Blog erscheint, möchte ich dir eine tolle Frau vorstellen, die es mit ihrem Herzensprojekt “Stromergarten” geschafft hat, nicht nur einen Ort zum Entspannen, Feiern, gemeinsam kochen und genießen zu schaffen, sondern diesen auch noch mit anderen teilt.

Wenn ich an starke Frauen denke, dann ist für mich eine ganz vorn mit dabei: Jutta, deren Stromergarten für uns ein Ort der Ruhe aber auch des gemeinsamen (er)lebens ist und die mit ihrer Kraft und Gelassenheit nicht nur eine Orientierung für mich geworden ist, sondern auch eine Freundin.

Wer bist du, wie viele Kinder hast du und wie hast du dich selber in deinem jetzigen Alter gesehen BEVOR du Kinder hattest?

Ich bin Jutta, 45 Jahre alt und lebe mit meinem Mann, unserem 17jährigen Sohn, unserer 7jährigen Tochter und der Beagledame Wilma in Taubach bei Weimar. Für mich stand immer fest, dass ich Mama werden würde. Ich sah mich stets umgeben von lachenden Kindern. Dass die Gesellschaft von mir erwarten könnte, dass ich damit aber eine Rolle einnehmen sollte, in der ich über meine Kinder bestimmen müsse, habe ich jedoch völlig ausgeblendet. Beim Gedanken an Muttersein, habe ich immer nur glückliche Momente vor meinem inneren Auge gesehen.
Heute sage ich, das waren visualisierte Sehnsuchtsgefühle. Als ich dann Mutter wurde, hatte ich zunächst den Fehler gemacht, dem Kopf zu viel Platz einzuräumen und meinem Herz und meinen Bauch nicht mehr zuzuhören. Wenn mich in dieser Zeit betrachte, erscheint mir heute sehr viel fremd an mir. Ich wünschte, es hätte damals schon die sozialen Medien gegeben und ich hätte um die vielen Gleichgesinnten gewusst. Das hätte mir sicher den Mut gegeben, meinem Herzen zu folgen. Aber ich versuche nicht damit zu hadern, sondern es als Teil meiner Entwicklung anzunehmen und gehe damit gerade bei unserem großen Sohn offen und ehrlich um.

Was ist dein Herzensbusiness mit dem du deine Unabhängigkeit erreicht hast oder erreichen möchtest?

Irgendwie ist das einfach alles zu mir gekommen. Mit unserer Umstellung des Lebens, raus aus dem Hamsterrad, habe ich eine regelrechte Metamorphose durchgemacht. Da brach ziemlich viel über mir zusammen, was ich bisher so schön als Aushängeschild meiner Persönlichkeit vor mir hergetragen hatte. Ich musste neu gestalten – mein Inneres, mein Lebensumfeld. Dabei entdeckte ich, wie sehr ich es liebe und wie glücklich es ich macht, Orte und Atmosphären zu kreieren, die Menschen zur Ruhe kommen lassen und sie inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen.
Dies habe ich ganz unbemerkt mit unserem Garten gemacht, den wir vor zwei Jahren anfingen zu öffnen. Das hat so viel positive Resonanz gebracht, so dass daraus mehr wurde und es inzwischen den Stromergarten gibt. Dort veranstalte ich Cafés, Konzerte, Workshops und mache einfach auf für spontane Besucher, habe ein offenes Ohr und berichte den vielen neugierigen Menschen von unserem Weg. Gelegentlich vermiete ich auch den Garten samt Außenküche für kleine Feiern, Workshops und Meetings. Wir planen im nächsten Jahr ein Nebengebäude auszubauen und eine Mietküche zu eröffnen.
Was gibt es Kommunikativeres als gemeinsam zu kochen und genießen und sich dabei auszutauschen? Ich liebe es, wenn ich sehe, dass Menschen mit einem Lächeln bei uns sitzen, sich entspannen und von der freien und unkonventionellen Atmosphäre angesteckt werden. Diese Herangehensweise, Gärten und Außengelände als Lebens- und Arbeitsbereiche zu verstehen, sie als Inspirations- und Kommunikationsorte zu begreifen und entsprechend bedürfnisorientiert zu gestalten, möchte ich künftig auch an Menschen oder Firmen weitergeben.

Geht dein Kind in eine Betreuungseinrichtung?

Das ist nun so ein ganz „heißes“ Thema bei uns. Unser Sohn war bis zur 8. Klasse ab seinem 11. Lebensmonat in Betreuungseinrichtungen. Ich hatte dabei nie ein gutes Gefühl, hatte das aber stets weggeschoben und mich an den Konventionen aufgerichtet, dass das ja alles zu seinem Wohl sei. Praktisch hatte ich jedoch jede Gelegenheit genutzt, ihn früher abzuholen bzw. gar nicht hinzubringen. Und doch habe ich bei vielen Dingen meinen Mund gehalten und mich innerlich aufgerieben und verunsichern lassen.
Doch sein stiller Protest, sein Rückzug und seine Krankheiten haben mir irgendwann so auf den Kopf gehauen, dass die Bretter von der Stirn abgefallen sind. Wir fingen an, lauter und vehementer für ihn einzutreten und zu kämpfen. Das hat ihn bestärkt und den Mut gegeben, im achten Schuljahr ein klares „Nein, Danke!“ zur Schule zu sagen. Unsere Tochter war deutlich kürzer in der Fremdbetreuung, was die Tageszeiten betrifft, als auch die Jahre. Mit meinem Ausstieg aus dem Angestelltendasein ist auch sie nicht mehr in den Kindergarten gegangen.
Inzwischen stehen wir auch mit ihr unter der Schulpflicht. Doch da sie anders als unser großer Sohn aufwuchs, ist sie viel selbstbewusster, klarer und weiß, dass wir nicht über sie entscheiden werden. Nach einem Schulstart voller Neugier, hat sie nach zwei Wochen bereits mit Bauchschmerzen und weinend morgens auf der Treppe beim Anziehen gesessen und ganz klar gesagt, dass sie dort nicht hin will und knallharte Argumente mit erschreckenden Beispielen gebracht.
Nachdem uns also das Schulamt wieder auf dem Plan hatte und diversen „Wiedereingliederungsversuchen“ (gruseliges Wort) kläglich liefen, eröffnete sich für sie die Möglichkeit an eine Montessori-Schule zu gehen. Das Schuljahr hat gerade begonnen und wir werden sehen, wohin die Reise unserer Tochter geht. Nur sie selbst weiß um ihr Wohlergehen und nur das entscheidet. Wir werden unsere Tochter niemals zu etwas zwingen.

Wann ist dir klar geworden, dass du nicht den Weg der breiten Masse gehen möchtest?

Das war ein Prozess. Unsere Sohn hat mir den großen Tritt verpasst. Und mit dem Aufwachen, habe ich dann auch einen viel offeneren Blick auf die Bedürfnisse unserer Tochter. Die Signale waren eindeutig. Weder unser Sohn noch unsere Tochter, fühlten sich in diesem gehetzten Leben wohl und konnten sich dort schon gar nicht entfalten und lernen. Ich fing an meine Werte zu hinterfragen und stellte fest, dass ich die zwar hatte, eine klare Haltung, dies bloß überhaupt nicht lebte.
Ich beschäftigte mich schon viele Jahre mit Lernen – schließlich glaubte ich ja auch jahrelang, an der Schule meines Sohnes etwas ändern zu können. Gepaart mit dem viel offeneren Blick auf meine Tochter konnte ich auch sehen, wie Lernen funktioniert. Und da wurde mir Himmelangst. Wollte ich wirklich Werte vorleben, die ich überhaupt nicht vertrat?
Wollte ich meine Kinder wirklich in diesen Kreislauf aus Angst, Konkurrenz und unhinterfragten Glaubenssätzen hineinrennen lassen? Nein! Also musste ich vorleben. Es galt laut zu hinterfragen, zu kommunizieren, zu lernen, zu lachen, zu toben, sich Ängsten zu stellen, Neues zu entdecken und vor allem an sich zu glauben und einfach zu machen, hinzufallen, aufzustehen, und weitermachen. Da bin ich mittendrin und es ist so befreiend und großartig. Ich sehe viel mehr, ich erfreue mich an viel mehr, dass Leben ist so viel reichhaltiger geworden und ich so viel mutiger.

Welche alten Glaubenssätze hindern dich manchmal und wie wirst du sie los?

Das ist eine schwierige Frage. Ich habe inzwischen sehr viele überwunden. Aber meine größte Baustelle bin eben ich selbst. Mich überkommt immer wieder das Gefühl, nicht genug geleistet zu haben und vor allem, dass die Dinge, die ich tue, nicht gut genug sind. Ich nehme das gar nicht mal so persönlich, dass ich nicht gut genug bin. Das habe ich überwunden. Aber ich kann es einfach noch nicht auf mein Tun übertragen. Das bremst mich leider immer wieder aus. Ich arbeite dran und es gelingt mir immer mehr, lieber zu machen und damit auch andere zu unterstützen, als es zurückzuhalten und erst nach meinen Maßstäben perfekt zu machen. Das gibt es sowieso nicht und meine Maßstäbe sind noch lange nicht der Stromergarten-Besucher, Freunde und Kunden.

Was möchtest du anderen Müttern, die vielleicht auch gerade an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen mit auf den Weg geben?

Bewegt Euch in der Zeit. Genieß stets den Augenblick und werde Dir hier und jetzt bewusst, was Dir gut tut und du tatsächlich willst. Den meisten Frauen fällt das sehr schwer. Dann hilft es mal nach vorn zu blicken, sich bewusst zu machen, dass wir nur dieses eine Leben haben und es nicht dazu da ist, ausgehalten zu werden, sondern es zu gestalten. Wir wissen nie, wann es zu Ende sein wird und darum gilt es, die Dinge jetzt zu tun. Dabei müssen wir uns natürlich auch mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen. Jeder hat eine ganz eigene Geschichte und Päckchen zu tragen. Doch mir hilft es immer sehr, mich an Situationen zu erinnern, in denen ich als spielendes Kind total versunken und glücklich war. Und genau dieses kleine Mädchen befrage ich dann: Würdest du das gut finden, was die Große da macht? Möchtest Du so werden? Diese Zeitsprünge in der Betrachtung und Einordnung meiner Aktivitäten und Verhaltensmuster helfen mir wirklich sehr bei Entscheidungen und ermutigen mich immer wieder, den Weg zu gehen, dem auch die kleine Jutta neugierig und froh mitgegangen wäre und der bei der der alten Jutta am Ende ihres Lebens dafür sorgt, dass sei ein zufriedenes Lächeln und leuchtende Augen hat.

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2 thoughts on “Starke Frauen Teil 3: Jutta vom Stromergarten”

  1. Deine Serie der “Starken Frauen” gefällt mir sehr gut! Ich freue mich schon jeden Tag auf den nächsten Teil. Bitte mehr ;-) Liebe Grüße Stephanie

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